Roman A. Englert (* 13.05.1968 in Erding/München) ist einer der ersten 50 Professoren für Künstliche Intelligenz (KI) in Deutschland, Sprecher des Zertifizierungsbeirats der Fraunhofer Gesellschaft und in weiteren nationalen und internationalen Beiräten, z. B. Hybride Interaktionssysteme, e-Vita, SINN-i, ACCESS/ACCESS2 und PERUN.
Zudem arbeitete er über 20 Jahre für die Deutsche Telekom AG in verschiedenen Management-Positionen.
JUGEND
Als Kind hat er seine Grundschulzeit in einer amerikanischen Schule in den Niederlanden verbracht. In seiner Jugend programmierte er während seiner Gymnasialzeit in Bonn grundlegende Bausteine der Informatik, wie Turing-Maschinen, und stellte diese 1984 auf der Fachtagung „Computer in der Schule in NRW“ vor. Daraufhin verdiente Englert sein erstes Geld bei einer Softwarefirma in Bonn.
1987 leitete er an der Schule ein Programmierprojekt zur Bundestagswahl. Die Schule konnte dadurch das Wahlergebnis schneller und genauer als ein renommiertes Wahlprognoseinstitut voraussagen.
Einige Monate danach hatte Englert einen Unfall, der zu einer Paraplegie führte. Im Behindertensportvereins ASV spielte er in der 1. Bundesliga Basketball.
AUSBILDUNG
Neben einem Studium in Informatik und Wirtschaftsstatistik an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn erhielt Englert den 1. Preis nach einem industriellen Wettbewerb für „Robotic-Vision“ (s.u.). Im Anschluss arbeitete er im Deutschen Nationalen Forschungszentrum für Mathematik und Datenverarbeitung (GMD, heute Teil der Fraunhofer-Gesellschaft) in Zusammenarbeit mit Prof. Stefan Wrobel und weiteren Forschern an modellbasierten Logiksystemen der KI.
Nach Abschluss des Studiums als Diplom-Informatiker arbeitete Englert im dortigen Institut für Informatik mit Prof. Armin B. Cremers (in Kooperation mit dem Institut für Photogrammetrie, Prof. Wolfgang Förstner). Es folgten mehrere Veröffentlichungen zum Thema „informationserhaltende Reduktion von Graphen und Graphenmatching“.
Im Rahmen von Forschungsstipendien der DFG und DAAD folgten 1996 und 1997 mehrmonatige Aufenthalte an der Carnegie-Mellon-University (U.S.A.) bei Prof. Sebastian Thrun und Prof. Dave McKeown zu „effiziente Algorithmen im Maschinellen Lernen“.
1998 folgte in Bonn die Promotion in Informatik zum Thema "Learning Model Knowledge for 3D Building Reconstruction" mit "Magna Cum Laude (1.0). In den folgenden beiden Jahren war er Postdoktorand an der Technischen Universität Wien, wo er zu der „informationserhaltenden Reduktion von Graphen“ forschte.
WIRTSCHAFT
Bei der Deutsche Telekom AG wirkte er seit 1999 langjährig als Technologieberater in mehreren Vorstandsprojekten, die von der IT-Transformation bis zur Europa-Strategie für Kommunikationsnetze reichten (René Obermann) und begleitete ein „Hochschul-Bildungsprojekt” für den Personalvorstand der Deutschen Telekom (Thomas Sattelberger) mit dem Freistaat Sachsen. Außerdem forschte Englert in den Telekom-Laboratories (T-Labs, An-Institut der TU Berlin) zu den Themen „Usability und KI“ mit zahlreichen Veröffentlichungen (s.u. Auswahl).
ISRAEL
2006-2010 wanderte Englert nach Israel aus. Dort baute er in der Wüste Negev an der renommierten Ben-Gurion-Universität (Israel) ein Institut für „Information System Engineering und Cybersecurity“ auf. Er führte somit die Vision des 1. Ministerpräsidenten Israels David Ben-Gurion fort, die wirtschaftliche Entwicklung des Negev, auch durch wissenschaftliche Innovationen, voranzutreiben. Anschließend war er Co-Leiter dieses Instituts, an dem mehr als 100 Wissenschaftler und Studierende aus verschiedenen Nationen forschten und studierten. In den folgenden Jahren erhöhte sich die Attraktivität der Ben-Gurion-Universität, von 17.000 (2006) auf 20.000 (2010) Studierende. In Israel entstanden u.a. Veröffentlichungen zur Sicherheit von Detektion von Malware (insbesondere Viren) in Kommunikationsnetzen. Englert war an den zugehörigen Forschungsprojekten als Assistenzprofessor leitend beteiligt, in dem auch ein Prototyp zur Detektion in Echtzeit von Malware (Viren) in Datentransportnetzen umgesetzt wurde. Zusätzlich lehrte er die Fächer „Maschinelles Lernen“ und „Adaptive Systeme“.
Während seiner Zeit in Israel schloss Englert 2008 seine Habilitation im „Bereich Planning and Scheduling“ (Planen und Konfigurieren der KI) an der Technischen Universität Berlin (Fakultät IV) ab und erlangte die Venia Legendi (Lehrbefähigung) für das Fachgebiet „Künstliche Intelligenz“.
Englert war einer der ersten 50 Professoren für KI in Deutschland. Erst ab 2018 ist die Zahl der Professoren und Lehrstühle für KI in D auf 200 gestiegen (vgl. Gesellschaft für Informatik 2008 und Bitkom).
AKADEMISCHES LEBEN
Nach dem Aufenthalt in Israel forschte Englert an der Universität Siegen in den Bereichen "Neue Medien mit KI und IKT für Ältere" (s.u. Auswahl Veröffentlichungen). Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen:
- Bias Detection (Güte von Trainingsdatensätzen) und die Mächtigkeit (Grenzen) von KI und Ethik
- Anwendungen von KI im Bereich von ICT für Ältere und in der Medizin
- KI / Maschinelles Lernen: Lernende Algorithmen und selbst anpassende Systeme
Bis heute war Englert an den Universitäten in Bonn, Siegen, Pittsburgh, Wien, und Beer-Sheva zweisprachig in Forschung und Lehre als (Honorar-) Professor tätig. Englert ist Editorial Member (Gutachter) im peer-reviewed „International Journal of Intelligent Information Systems (IJIIS)“ und weiteren. Er betreut Bachelor-, Master-, und Promotionsarbeiten, ist Key Note Speaker zu KI und Ethik, Gutachter und Auditor, und in zahlreichen (internationalen) Beiräten in Forschung und Wirtschaft.
Englerts Forschung und Ergebnisse führten zu Einladungen von der damaligen Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel und dem Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier. Bei diesen wurde insbesondere Nutzen und Nutzbarkeit von KI und Cybersicherheit (Anti-Malware) betrachtet.
FREIZEIT
Seine Hobbies -Sport und Reisen- durchziehen Englerts Leben. Bei der Aktion "Europäisches Jahr der Menschen mit Behinderung (EJMB)" war er als Model engagiert. Englert kocht gerne und manchmal auch gemeinsam mit dem Sternekoch Rainer-Maria Halbedel. Zusätzlich experimentiert er mit seinem Käse-Chambrair mit der Reife von Käse und hat hierfür auch von dem weltberühmten französischen Käse-Affineur Bernard Antony gelernt. Englert hat 3 Kinder und lebt an der Baltischen See.
AUSZEICHNUNGEN UND PREISE (AUSZUG)
- Nachwuchsförderpreis der Industrie in „Robotic Vision“, 1992.
- Stipendien des Deutschen akademischen Austauschdienstes (DAAD) 1997 und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zur Erforschung von „effizienten Algorithmen im maschinellen Lernen“, 1999.
- Doctoral-Fellowship-Preis vom Evangelischen Studienwerk Villigst e.V., Germany, erhalten und anschließendes Promotions-Stipendium, 1998.
- Anerkennung des Health Sectors der US-Regierung: Aufnahme in die weltweite Datenbank für coronarelevante Forschung, 2023.
VERÖFFENTLICHUNGEN (AUSZUG)
Inkonsistenzen in KI-Trainingsdatensätzen ermitteln und Trainingsdatensätze vervollständigen und optimieren
- Grundlagen: Engineering Benchmarks for Planning: The Domains Used in the Deterministic Part of IPC-4 (Journal of Artificial Intelligence Research, 2006).
- Springer Lecture Notes in Computer Science: International Conference on Computer Science (ICCS’20): Syntactic and Semantic Bias Detection and Countermeasures
- American Journal of Information Science and Technology (AJIST’22): Training data improvement by automatic generation of semantic networks for bias mitigation
- Reduktion von Trainingsaufwand bei LLM/NN und Green AI - Springer Nature Journal Discover Artificial Intelligence (DAI’26): Reduction of the amount of training data by the neural network integrity constraint approach fostering green AI
Mensch-Maschine-Interaktionen und Ethik von KI
- Grundlagen: Architecture for Multimodal Mobile Applications (20th International Symposium on Human Factors in Telecommunication (HFT‘06)), An emotion-aware voice portal (ESSP‘05), Universal Communication Model and Evaluation with the Elderly Society (Doctoral Thesis UCAM University‘14)
- Journal IEEE Transactions on Multimedia, 2008: Real-Time Vision and Speech Driven Avatars for Multimedia Applications
- Smarte Medizin - Digitale Anamnese (Teil III, vgl. Gender and Age Recognition from Voice ICASSP’07): Buchkapitel (Verlag Hogrefe)
- Journal Proceedings of ACM on Human-Computer Interaction (PACMHCI’25): AI Ethics and Social Norms: Exploring ChatGPT's Capabilities From What to How
Untersuchung der Limitierung der Mächtigkeit von KI (basierend auf Gödels Unvollständigkeitstheoremen)
- Grundlagen: Auswirkung des 1. Gödelschen Unvollständigkeitssatzes auf Künstliche Intelligenz (BA Kajtazi, Universität Siegen, Fakultät III, 2023) und Charakterisierung von schwacher und starker Künstlicher Intelligenz (Arbeitspapier der ZBW – Leibniz-Informationszentrum)
- Journal Advances of Artificial Intelligence and Machine Learning (AAIML‘22): Numerical Evidence That the Power of Artificial Neural Networks Limits Strong AI